Tagung im Herbst 2010: Humor und Schule

03/09/2010

Vom 23. bis zum 30. Oktober 2010 findet in La Begude die Tagung „Humor und Schule“ statt. Lehrerinnen und Lehrer, Studierende und Interessierte aus anderen Berufsgruppen sind herzlich dazu eingeladen!

Viele Untersuchungen und breiteste praktische Erfahrung belegen, dass Lehrende, denen Humorlosigkeit und allgemeine Freudlosigkeit — zu Recht oder Unrecht — von Schülerseite unterstellt wird, es als Bildungsvermittler besonders schwer haben, weil die Lernenden generell die Nachricht/den Inhalt mit der Befindlichkeit und dem Habitus des Überbringers/Pädagogen identifizieren.

Ist Humor die menschliche Fähigkeit, Komik wahrzunehmen, sie zu verstehen und sogar Komik zu produzieren? Der aktive Komik-Produzent bedarf der Wahrnehmungskraft des Komischen, des Humors als einer Befähigung zur heiteren/wütenden Distanz von seinen Themen, vom Leben. Darüber hinaus kommt er ohne die kreative Fähigkeit und den Willen, diese Wahrnehmung zu gestalten, nicht aus.

Sinn für Humor ist eine Produktivkraft, die man schärfen und weiter entwickeln kann.

Wir wollen uns nach besonders geeigneten Themen, Sparten, Techniken, Fächern für den Bereich Schule umschauen. Dies wird wie immer in einem deutsch-französischen Kontext geschehen, sowohl was den Vergleich von beiderseitigem Sinn für Humor als auch den Vergleich der jeweiligen Komik-Produkte einschließt.

Das Tagungsprogramm und alle weiteren Informationen gibt es [hier] als PDF.


Nebel(heimlich)

19/11/2009

die nebel, wenn sie heimlich

schweben

dicht sich senken

… sich nicht heben

weil sie liegen

und verweben

bedecken, umgeben

dämpfend verstecken

wolkenwattig

halblichtschattig

dicht sich senken

nicht mehr heben

weißlich weben

kommen

wir benommen

nebelheimwärts

merci & big hug an luiserosa und lutz für die fotos!


Immerwährender Moment

10/11/2009

irgendwannAn einem Ort

in einem Café

hinter einem Fenster

sitzt sie,

gebeugt,

das weisse Haar zu einem Knoten gebunden.

Ihr Blick streift mich nicht,

denn sie wird erst sein

wenn ich nicht mehr hier bin.


Petit coup de nostalgie…

10/11/2009

Ciel gris, pluie, surcharge de travail, où sont les couleurs et la quiétude du Fief ? J’échangerais bien le rouge de mon stylo sur les copies mal écrites d’élèves peu doués contre la féérie de rouge des couchants


„die heimath blosz macht heimathlos“

08/11/2009

Heimat ist, soviel ist klar, nicht immer nur ein Ort, Heimat ist mehr als ein Ort. Heimat kann ein Noch-Nicht-Ort sein, vielleicht auch ein Noch-Nicht-Zustand. Manchmal scheint es, als sei Heimat ein Ort außerhalb der Orte, ein Nicht-Ort. Woher weiß man aber, wie ein Nicht-Ort aussieht? Die Vorstellung eines Nicht-Orts entsteht erst durch Gegenbilder. Man schaut sich um, sieht, wo man ist, sieht, wie es ist; diese Gesamtsituation kann aber keine „Heimat“ sein. Manchmal vielleicht schon oder für einige Augenblicke oder für eine Ewigkeit. Manchmal aber auch nicht. Die Heimat, wie man sie sich in so einem Moment wünscht, besteht gerade im genauen Gegenteil dessen, was man vorfindet. Also macht die Wirklichkeit die Heimat unsichtbar. Oder anders gesagt: hinter der Wirklichkeit versteckt sich die Heimat. Wenn man die Heimat denkt, wird die Wirklichkeit unsichtbar.

Die einzige Verbindung zwischen Realität und Heimat ist der denkende Mensch, der in der Wirklichkeit lebt und auf der Suche nach der Heimat ist. Der Raum zwischen Realität und Heimat ist ein Zwischenraum. In diesem Transitbereich treibt der Suchende auf einem „trunkenen Schiff“ (s.u.), respektive Narrenschiff, mit all den anderen Gotteslästerern, Ehebrechern, Säufern, Dieben, Glücksspielern, Müßiggängern und Gutmenschen. Aber das ist genial! Das ist nützlich und notwendig. Die Gesellschaft braucht ihren Spiegel, die Wirklichkeit braucht ihre Utopie, um sich selbst zu erkennen, sonst entsteht Paralysis. Was wir dabei aber nicht brauchen sind Moralpredigten. Die setzten selten etwas in Bewegung. Auch bei einer komplett semi-philosophischen Heimatsuche kann man etwas Spaß gebrauchen. Vielleicht wie ein Narr, der auf seinem Schiff sitzt und das Schlaraffenland sucht, der Glück hat, weil er Teil von beiden Welten ist. Einer, der die Freiheit des Narren besitzt, jene Weisheit, die nicht auf Vernunft basiert. Der Mensch, der Heimat sucht, kann also vorerst beruhigt sein, auch wenn er sie nicht findet. Gerade in seiner Suche und in seiner Vorstellung von dem Anderen, dem Optimaleren und dem Utopischen weist er sich und andere auf die Abweichung hin. Eigentlich beruhigend. Heimat ist, soviel ist klar, nicht immer nur ein Ort, Heimat ist mehr als ein Ort. Heimat ist Welt.


Heimatkonstruktionen

07/11/2009

Niemand kann ohne Emotionen über Heimat sprechen. Für die einen ist sie die ideale Geborgenheit, ein Sehnsuchtsort, nie wieder ganz erreichbar; über andere bricht Stickigkeit herein, die schunkelnde Spießigkeit ihrer Alpträume, wenn sie das Wort nur denken.

Heimat war einmal der Geburtsort. Scholle, Besitz, Heim und Herd waren und verblieben dort, meist ein Leben lang, und das hieß: im gleichen Bett, in den gleichen Mauern sterben, in denen man zur Welt gekommen war. So war das eben.

Heute ist Heimat nichts Einfaches mehr. Sie wird vergöttert oder verteufelt und früher oder später verlassen. Oft ist sie gar kein Ort, sondern Schrankgeruch, Sonnenflecken auf Teppichboden, eine sanfte Hand, kleine Geheimnisse, aufgeschürfte Knie. Sie formt uns, ehe wir es wissen, wie ein körpernahes Kleidungsstück.

Später, aus ihr herausgewachsen, suchen wir neue Welten – und in jeder immer wieder eine Heimat. Notfalls mit der Seele. Heimatlosigkeit macht frei und traurig, traurig und frei.

Ich und du, wir wählen unsere Heimat aus. Da wo es schön ist, wo es Arbeit gibt, wo es uns gutgeht, wo man uns versteht: Da setzen wir uns, verwurzeln uns so weit wie möglich und schaffen uns die nötige Geborgenheit. Wenn es sein muß, mehrmals; nacheinander oder gleichzeitig.

Aber die eine, alte Heimat hat uns, bis in unsere Träume. Sie trägt oder fesselt uns, manchmal beides zugleich, und macht sich zum Maßstab für alle Welt. Ob wir wollen oder nicht: Ein einziges Klappen einer Tür, ein Geschmack, ein Wort trägt uns Jahre zurück, und wir sind wieder klein und können noch alles oder überhaupt noch nichts.

Niemand kann ohne Emotionen über diese alte Heimat sprechen. Vor ihrem Hintergrund spielt unser Leben; als Teil von uns bestimmt sie, wie fest wir stehen, wie hoch wir fliegen, was wir loslassen und was wir halten.

fassade


Grands magasins

06/11/2009

Heimat – plan

ein Schattenriß, schief

im Gegenlicht, nur fast im Gleichgewicht

verhängt und spendet graues Licht.

Was kann denn schon passieren,

wenn viele Seiten dünnen Papiers

sich zu Gängen verlängern,

berühre ich darin eine nach der anderen alle Hände.

Nach der ganzen Länge endlich

für mich zwei, kraftvoll, weich

in Schatten eingeschlagen

und alles, was bisher schief war

wird ganz plan.


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