Heimat : Zwischen Nähe und Enge

30/10/2009

Mit dem Begriff Heimat taucht häufig das Wort Geborgenheit auf als Bestandteil dessen was der Wesenskern jenes Begriff ausmachen soll. Auf eine sehr natürliche (und verführerische) Art und Weise beinhaltet dieses Konzept die verlorengegangene, vertraute Welt der Kindheit, eine Welt der schützenden Familie, der sicheren konkreten und psychologischen Grenze der umliegenden Nachbarschaft und des sich stets wiederholenden Tagesablaufs mit bekannten Personen und eines relativ abgesicherten Ausgangs. Gerade diese festgefügten Alltagsstrukturen und geregelte Erwartungshorizonte tragen im wesentlichen dazu bei, dass junge Kinder über eine lange Zeitspanne ein Höchstmass an Vertrauen an ihrer Gemeinschaft und an sich selber gewinnen und befestigen können. Dadurch wird auch die Liebes- und Arbeitsfähigkeit gewöhnlich entwickelt und verstärkt. Im späteren Leben begegnet man gelegentlich Menschen, die meinen dieses „Heimat-Erlebnis“ nachtrauen zu müssen und dass kann man ja wohl gut verstehen, da häufig spielt sie eine Hauptrolle in dem langsamen Entwicklungsprozesses eines reifen Menschen. Es lässt sich mühelos behaupten: Wohl dem, der eine Heimat hat!

Andererseits, und dies wird manchem erst in einem späteren Lebensabschnitt völlig bewusst, dass die fast sehnsüchtig angepriesene Geborgenheit der Heimat zwangsläufig auch der teilweise ungewollt Aspekt der sozialen Kontrolle mit sich bringt, ja man könnte fast sagen, geradezu aufruft, denn die fürsorgliche Aufsichtspflicht verlangt gleichzeitig eine sorgfältige Beobachtungsinstanz, damit die Menschen nicht von den vorgesehenen Rollen- und Zielvorstellungen abweichen. Und da, gerade an diesem Punkt, wird aus Geborgenheit Zwang, aus Fürsorge Bevormundung, aus Gewohnheit Angst vor Neuem. Im schlimmsten Fall entsteht eine erstickende Atmosphäre, in der die geistig und physische Grenze jetzt zur Barriere der Weiterentwicklungsmöglichkeiten eines vorher zufriedene, heimattreue Menschen wird. Zunehmend verkommt demnach die Heimat zum Inbegriff des Status quo, wo neue Gedanken und Werte nur als störend und gefährlich angesehen und um jeden Preis abgewehrt werden. In dieser Situation wird Heimat lediglich zum starren Begriff, der öfters als Nährboden für fremdenfeindliche Ideologien fungiert.

Angesichts der Zeitlosigkeit des obengenannten Widerspruchs, der sich innerhalb des scheinbar einfachen Konzepts der Heimat, soll man vielleicht eine ausgewogene Lösung zum Problembereich Heimat suchen, bevor man sich auf peinlicher Weise auf einem wackligen Standpunkt stellt, indem man behauptet, die Heimat sei eindeutig als gut oder bös festzustellen. Stattdessen sollen wir auf das weite Entwicklungsspektrum hinschauen, das eine kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff mit sich bringt und das inhärente Spannungsverhältnis nicht nur anerkennt, sonder bejaht, als eine positive Entwicklungsperspektive für die Zukunft. Fazit: Heimat ist unverzichtbar, auch in der heutigen Welt. Es kommt darauf an, dieser Begriff neuem, zeitgemässem Inhalt zu versehen und ein Optimum an Inklusivität zu erlauben.


Ich über mich

30/10/2009

Portrait aus Worten „Wer bin ich?“ (6 von 100 Fragen)

Frage 2: Was können Sie Ihrer Meinung nach besser als die meisten Ihrer Freunde?

+ Unabhängig sein von der Meinung anderer.

Frage 12: Ihre Lieblingsmedizin?

+ Alles was hilft.

Frage 26: Welche Drogen würden Sie konsumieren, wenn sie keine Nebenwirkungen hätten?

+ Nikotin und Alkohol.

Frage 36: Eine Person, der Sie vertrauen?

+ Meinen Schwestern.

Frage 51: Was sind die zwei dringlichsten politischen Themen?

+ Nachhaltige Bildung und ebensolchen Arbeit.

Frage 55: Wann haben Sie zum letzten Mal gewählt?

+ Ich gehe immer zu allen denkbaren Wahlen, so z.B. auch zu Sozialwahlen  usw…

Frage 82: Welches Ihnen bekannte Paar gefällt Ihnen?

+ Meine „kleine“ Schwester und ihr Mann.

Ich über mich: Eigenschaften

Fünf Eigenschaften aus einer Liste:

  • Tolerant ? Nein. Ich mag das Wort nicht sehr, weil ich von seiner ursprünglichen Bedeutung der „Duldung“ nicht absehen kann. Es kann nicht um Duldung gehen. Es geht um innere und äußere Akzeptanz von geltenden Rechten. Es ist die Durchsetzung einer Verrechtlichung der menschlichen Beziehungen angesprochen: niemand soll dem freundlichen oder gar dem unfreundlichen Belieben eines anderen ausgesetzt oder unterworfen sein.
  • Überzeugend? Ja! Ich möchte mir und anderen gegenüber überzeugend sein.
  • Unabhängig? Ja. Zu sehr vielleicht. Dadurch habe ich mich manchmal zu weitgehend von der Rückverbindung an Menschen gelöst.
  • Liebevoll? Too much, Denn Liebe ist nicht willkürlich abrufbar oder steuerbar.
  • Freundlich? Das viel eher. Freundlich sein kann man sich vornehmen. Es bedarf allerdings einer gewissen geistigen Disziplin, es zu sein und zu bleiben. Und freundlich sollte man sich und anderen gegenüber sein wollen und können.
  • Kritisch? Unbedingt! Und hier unbedingt sich und allen anderen gegenüber, vor allem auch den Menschen gegenüber, mit denen man befreundet ist.

D’ici à maintenant

30/10/2009

IMG_0079

Kalt spiegelt sich, hell und tief

ein Tropfen, in das Becken geworfen

aufgelöst, aufgehoben

im Wasser.

Ich werfe Tropfen

kalt und klar in der Sonne

und jeder mit seinem Schatten

jusqu’ici et maintenant

ein kalter Tropfen, hell und tief

ins Jetzt gefallen, weiss nichts

von der Gegenwart

und nicht alles Wunderbare ist schwer.

Von hier bis jetzt.


FIEF

29/10/2009

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Dieu le fit
Qui?
Le FIEF?
Et Dieu
Qui le fit?
Dieu
Causa sui?
Gott schuf es
Wie wann wo warum wozu?
Et pourquoi pas
Viele Fragen
Im Sprachgewirr
Hochfliegende
Was ist Sein?
Was ist der Sinn von Sein?
Und überhaupt
Warum gibt es Sein und nicht
Vielmehr nichts?
Nichts von nichts
Nichts von etwas?
Rien de rien
Rien ne va plus.
Nichts und das Nichts
Rien et le Néant.

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Andere Fragen
Mehr
Pied à terre
La terre
Der Boden
Die Heimat? Das Land?
Weit reichender Blick
Aus mittelalterlichem Gemäuer
Bis in die Auvergne
Die Creuse?
Eine meiner Heimaten
Kindheit, Sprache
Warum im Deutschen
Abstrakta
Selten im Plural?
Nur eine Heimat? Wurzeln?
Der Mensch ist kein Baum

lavend.jpg

Zypressen
Eichen
Lavendelfelder schlängeln
Sich an die Füße der Berge
Wölbungen in der Landschaften
Des seins épanouis
Le saint des saints
Étendus, jamais
Vus
Sentis
émotionel
Des couchers de soleil
Nicht rational
Chants peintures
Qui le fit?
Et le FIEF?
Ein Mann, gejagt
Vom Rande her
randständig
Für weite Blicke
Neue Horizonte
Freundlichkeit
Générosité
In alten Steinen
Neue Gedanken
Beau mariage
Hinausfliegen
Ausflüge
Sortir du foyer
Heimaten entdecken
erfinden

ziege.jpg

Kühe, Ziegen, Esel, Schafe
Pferde
Kastanien, eßbar
Nüsse, Feigen, Erde
Denkmäler
Résistance
Massaker
Endurance
Héroïsme
Geier landen
Unhörbar, segelnd
Im Vercors
Masssacrent les corps
Les âmes
Les demeures
Patrimoine, mémoire
Peu à voir
Durchdrängen, tränken
Die Landschaften
Heimat
Ich, der andere
Autrui
Anderswer
Für, gegen mich?
Mit
Für
Neben
Einander?
Flucht, Emigration
Was bleibt ist die Sprache
Die Lichtung des Seins
Attraktion, Repulsion
Hannah, Martin

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Heidi
Ella und Hermann
Aragon und Triolet
Wols
Uta, Naumburg, Saarbrücken
Minoo
Iran
Gefängnis
Schönheit
Farben, Linien, Blicke

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Heimat
Wein und Käse
Le miracle d’un jeune cuisinier
De Magdebourg
Réinvente la cuisine
Française
À Châteauneuf
Le Mazenc
Près Bégude

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Président Loubet
1905
Trennung von
Staat und Kirche
Protestanten und Katholiken
Schützten Juden
Schufen Gott


Jetzt und hier

29/10/2009

Jetzt und hier

An der Staffelei zu stehen.

Auf der Leinwand zu malen.

Auf meiner Couch sitzen und zu lesen.

Erinnerungen an Vater.

In meinem Zimmer auf und ab gehen und an das Gefängnis denken.

In der Natur sein, um einzuatmen – die Luft und die Freiheit.

An der Bäckerei vorübergehen und den Duft des Brotes zu riechen und mich an meinen Geburtsort erinnern.

All diese Orte befreien mich vom jetzt und hier.


Max

29/10/2009

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… der Geruch von Pferdemist und warmer Erde

der Staub des Strohs kitzelt in der Nase

weiche Nüstern, die sich in meine Hände schmiegen

meine Stirn auf Fell rauh und weich zugleich

Fliegen auf deinen Augenrändern

dein Schnauben löst mein Seufzen

ich vertiefe mich in deinen Geruch

tauche ein in Regionen von tiefster Geborgenheit

und einssein

rieche das nicht-mehr-alleinsein

spüre den Frieden deiner Duldsamkeit

und höre plötzlich den Piepmatz draußen

und sehe wie sich der Sonnenstrahl durch den Heustaub bohrt

und meine Zuversicht zieht mich hinaus

Danke mein Freund


Le bateau îvre… (Das trunkene Schiff)

29/10/2009

Comme je descendais les fleuves impassibles,

Je ne me sentis plus guidé par les haleurs:

Des Peaux-Rouges criards les avaient pris pour cibles,

Les ayant cloués nus aux poteaux de couleurs.

Die erste Strophe des Rimbaud-Gedichts in der Übersetzung von Celan:

Hinab glitt ich die Flüsse, von träger Flug getragen,

da fühlte ich: es zogen die Treidler mich nicht mehr.

Sie waren, von Indianern ans Marterholz geschlagen,

ein Ziel an buntem Pfahle, Gejohle um sich her.


Zweite Heimat

28/10/2009

hoehle

In Sicherheit sein
Die Tür schließen können
Alle Ansprüche aussperren

Nicht reden müssen
Keine Fragen beantworten müssen
Keine Fragen stellen
Und wenn doch, nur an mich selbst

Ungestört denken dürfen
Nachdenken und vordenken
Denken, ohne dass jemand durch diese Gedanken spaziert
sie nieder trampelt
ihre Spuren verwischt
oder sie in die Flucht schlägt

Ruhe finden
Alle Geräusche ausschließen
Die Störgeräusche von außen
und die in meinem Kopf

Stille genießen
oder Musik
die den Moment unterstreicht

Mich aufgehoben fühlen

Umgeben sein von meinen Farben
die das Auge streicheln
Bildern, die gut tun
Von dem, was mir etwas bedeutet
Meinen Büchern
in denen so viele Leben ruhen
in die ich eintauchen kann
wenn ich sie öffne

In Sicherheit


Ein erstes Wort

26/10/2009

Wir freuen uns über Artikel zum Thema Heimatproduktion. Allez-y!


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