Nebel(heimlich)

19/11/2009

die nebel, wenn sie heimlich

schweben

dicht sich senken

… sich nicht heben

weil sie liegen

und verweben

bedecken, umgeben

dämpfend verstecken

wolkenwattig

halblichtschattig

dicht sich senken

nicht mehr heben

weißlich weben

kommen

wir benommen

nebelheimwärts

merci & big hug an luiserosa und lutz für die fotos!


„die heimath blosz macht heimathlos“

08/11/2009

Heimat ist, soviel ist klar, nicht immer nur ein Ort, Heimat ist mehr als ein Ort. Heimat kann ein Noch-Nicht-Ort sein, vielleicht auch ein Noch-Nicht-Zustand. Manchmal scheint es, als sei Heimat ein Ort außerhalb der Orte, ein Nicht-Ort. Woher weiß man aber, wie ein Nicht-Ort aussieht? Die Vorstellung eines Nicht-Orts entsteht erst durch Gegenbilder. Man schaut sich um, sieht, wo man ist, sieht, wie es ist; diese Gesamtsituation kann aber keine „Heimat“ sein. Manchmal vielleicht schon oder für einige Augenblicke oder für eine Ewigkeit. Manchmal aber auch nicht. Die Heimat, wie man sie sich in so einem Moment wünscht, besteht gerade im genauen Gegenteil dessen, was man vorfindet. Also macht die Wirklichkeit die Heimat unsichtbar. Oder anders gesagt: hinter der Wirklichkeit versteckt sich die Heimat. Wenn man die Heimat denkt, wird die Wirklichkeit unsichtbar.

Die einzige Verbindung zwischen Realität und Heimat ist der denkende Mensch, der in der Wirklichkeit lebt und auf der Suche nach der Heimat ist. Der Raum zwischen Realität und Heimat ist ein Zwischenraum. In diesem Transitbereich treibt der Suchende auf einem „trunkenen Schiff“ (s.u.), respektive Narrenschiff, mit all den anderen Gotteslästerern, Ehebrechern, Säufern, Dieben, Glücksspielern, Müßiggängern und Gutmenschen. Aber das ist genial! Das ist nützlich und notwendig. Die Gesellschaft braucht ihren Spiegel, die Wirklichkeit braucht ihre Utopie, um sich selbst zu erkennen, sonst entsteht Paralysis. Was wir dabei aber nicht brauchen sind Moralpredigten. Die setzten selten etwas in Bewegung. Auch bei einer komplett semi-philosophischen Heimatsuche kann man etwas Spaß gebrauchen. Vielleicht wie ein Narr, der auf seinem Schiff sitzt und das Schlaraffenland sucht, der Glück hat, weil er Teil von beiden Welten ist. Einer, der die Freiheit des Narren besitzt, jene Weisheit, die nicht auf Vernunft basiert. Der Mensch, der Heimat sucht, kann also vorerst beruhigt sein, auch wenn er sie nicht findet. Gerade in seiner Suche und in seiner Vorstellung von dem Anderen, dem Optimaleren und dem Utopischen weist er sich und andere auf die Abweichung hin. Eigentlich beruhigend. Heimat ist, soviel ist klar, nicht immer nur ein Ort, Heimat ist mehr als ein Ort. Heimat ist Welt.


Grands magasins

06/11/2009

Heimat – plan

ein Schattenriß, schief

im Gegenlicht, nur fast im Gleichgewicht

verhängt und spendet graues Licht.

Was kann denn schon passieren,

wenn viele Seiten dünnen Papiers

sich zu Gängen verlängern,

berühre ich darin eine nach der anderen alle Hände.

Nach der ganzen Länge endlich

für mich zwei, kraftvoll, weich

in Schatten eingeschlagen

und alles, was bisher schief war

wird ganz plan.


D’ici à maintenant

30/10/2009

IMG_0079

Kalt spiegelt sich, hell und tief

ein Tropfen, in das Becken geworfen

aufgelöst, aufgehoben

im Wasser.

Ich werfe Tropfen

kalt und klar in der Sonne

und jeder mit seinem Schatten

jusqu’ici et maintenant

ein kalter Tropfen, hell und tief

ins Jetzt gefallen, weiss nichts

von der Gegenwart

und nicht alles Wunderbare ist schwer.

Von hier bis jetzt.


Le bateau îvre… (Das trunkene Schiff)

29/10/2009

Comme je descendais les fleuves impassibles,

Je ne me sentis plus guidé par les haleurs:

Des Peaux-Rouges criards les avaient pris pour cibles,

Les ayant cloués nus aux poteaux de couleurs.

Die erste Strophe des Rimbaud-Gedichts in der Übersetzung von Celan:

Hinab glitt ich die Flüsse, von träger Flug getragen,

da fühlte ich: es zogen die Treidler mich nicht mehr.

Sie waren, von Indianern ans Marterholz geschlagen,

ein Ziel an buntem Pfahle, Gejohle um sich her.


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