„die heimath blosz macht heimathlos“

Heimat ist, soviel ist klar, nicht immer nur ein Ort, Heimat ist mehr als ein Ort. Heimat kann ein Noch-Nicht-Ort sein, vielleicht auch ein Noch-Nicht-Zustand. Manchmal scheint es, als sei Heimat ein Ort außerhalb der Orte, ein Nicht-Ort. Woher weiß man aber, wie ein Nicht-Ort aussieht? Die Vorstellung eines Nicht-Orts entsteht erst durch Gegenbilder. Man schaut sich um, sieht, wo man ist, sieht, wie es ist; diese Gesamtsituation kann aber keine „Heimat“ sein. Manchmal vielleicht schon oder für einige Augenblicke oder für eine Ewigkeit. Manchmal aber auch nicht. Die Heimat, wie man sie sich in so einem Moment wünscht, besteht gerade im genauen Gegenteil dessen, was man vorfindet. Also macht die Wirklichkeit die Heimat unsichtbar. Oder anders gesagt: hinter der Wirklichkeit versteckt sich die Heimat. Wenn man die Heimat denkt, wird die Wirklichkeit unsichtbar.

Die einzige Verbindung zwischen Realität und Heimat ist der denkende Mensch, der in der Wirklichkeit lebt und auf der Suche nach der Heimat ist. Der Raum zwischen Realität und Heimat ist ein Zwischenraum. In diesem Transitbereich treibt der Suchende auf einem „trunkenen Schiff“ (s.u.), respektive Narrenschiff, mit all den anderen Gotteslästerern, Ehebrechern, Säufern, Dieben, Glücksspielern, Müßiggängern und Gutmenschen. Aber das ist genial! Das ist nützlich und notwendig. Die Gesellschaft braucht ihren Spiegel, die Wirklichkeit braucht ihre Utopie, um sich selbst zu erkennen, sonst entsteht Paralysis. Was wir dabei aber nicht brauchen sind Moralpredigten. Die setzten selten etwas in Bewegung. Auch bei einer komplett semi-philosophischen Heimatsuche kann man etwas Spaß gebrauchen. Vielleicht wie ein Narr, der auf seinem Schiff sitzt und das Schlaraffenland sucht, der Glück hat, weil er Teil von beiden Welten ist. Einer, der die Freiheit des Narren besitzt, jene Weisheit, die nicht auf Vernunft basiert. Der Mensch, der Heimat sucht, kann also vorerst beruhigt sein, auch wenn er sie nicht findet. Gerade in seiner Suche und in seiner Vorstellung von dem Anderen, dem Optimaleren und dem Utopischen weist er sich und andere auf die Abweichung hin. Eigentlich beruhigend. Heimat ist, soviel ist klar, nicht immer nur ein Ort, Heimat ist mehr als ein Ort. Heimat ist Welt.

Eine Antwort zu „die heimath blosz macht heimathlos“

  1. Luise Rosa sagt:

    Wunderbar
    Danke

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: